Hundternehmerin Kinga von Unique Dog

​Manche Hundternehmer verfolgen nicht nur ihren persönlichen Traum, sondern wollen die Welt auch ein Stück besser machen. Kinga Rybinska von Unique Dog gehört dazu. Mit ihrem Berliner Hundelabel produziert sie ökologisches Hundezubehör und außerdem hat sie das Handbuch für nachhaltiges Hundeleben "Grüner Hund" verfasst. Mehr zu ihrem Leben als Hundternehmerin erzählt sie uns im Interview. 

More...

​​Kinga Rybinskas Hundelabel Unique Dog ​und die Philosophie, die dahinter steht, hat mich schon lange begeistert. Umso mehr freute ich mich, als Kinga einem Interview über ihr Hundternehmer-Dasein zustimmte. In dem Zusammenhang bot sich mir auch die Gelegenheit, Kingas neuestes Buch "Grüner Hund - Handbuch für nachhaltiges Hundeleben" zu lesen. Beim Lieblingsrudel gibt es dazu übrigens eine kleine Rezension mit Verlosung.

​Kinga, deine Schwester und du bietet ökologisches Hundezubehör. Wie ist es denn dazu gekommen?

​Als ich auf die Idee gekommen bin, war ich als Moderedakteurin tätig und hatte im Schrank viel zu viele Klamotten hängen. Zur gleichen Zeit suchte ich eine schöne, plastikfreie, robuste Decke für meine Hündin. Als die Suche nichts außer Polyesterprodukten mit zweifelhaftem Tatzendesign ergab, habe ich kurzerhand einen kaum getragenen Sommermantel zerschnitten und selbst eine Hundedecke genäht. Das Ergebnis hat mich und meine Schwester total begeistert und auf den Gedanken gebracht, das Konzept auch für andere anzubieten.

So entstand meine erste Marke SECOND HOUND. Der Name sollte eine Anspielung auf Second Hand-Kleidung sein, ich wollte ja großartige Hundesachen aus Menschensachen kreieren. Der zweite Hintergrund für den Namen war die direkte Übersetzung aus dem Englischen „Der zweite Hund“ - im Preis meiner Produkte ist eine Tierschutzspende integriert: Somit bekommt nicht nur der Hund des Käufers etwas, sondern auch der „zweite Hund“, der im Tierheim sitzt.

So überzeugt ich von der Idee auch war, Kleidung von der Müllhalde zu retten, Ressourcen zu sparen und wunderschöne Unikate für Hunde zu kreieren, so schnell musste ich leider feststellen, dass der Aufwand einfach viel zu groß ist – jedes einzelne Produkt musste nicht nur individuell angefertigt, sondern auch fotografiert und beschrieben werden. Die Kundenbereitschaft, Hundeaccessoires aus gebrauchten Stoffen zu kaufen, die auch keinen Geiz-ist-Geil-Preis haben, hielt sich zudem sehr in Grenzen. Also habe ich mein kleines Unternehmen um eine zweite Marke erweitert: UNIQUE DOG bietet Serienprodukte aus zertifizierten Bio-Stoffen und Bio-Wolle. Für Letzteres ist meine Schwester Katharina zuständig: Sie strickt und häkelt. Serienprodukte und immer wieder gleiche Stoffe und Designs erlauben uns, effizienter zu arbeiten.

Unter dem Namen www.unique.dog gibt es heute einen E-Shop, der auch sehr viele Fremdprodukte anbietet, welche zu dem grünen Konzept passen. Ich selbst lebe sehr umweltfreundlich und bin davon überzeugt, dass gerade Hundehalter dafür prädestiniert sind, im Einklang mit der Natur zu handeln. Eine Alternative als nachhaltig zu leben, haben wir auch nicht, wenn wir den nachkommenden Generationen nicht nur eine zerstörte Erde hinterlassen wollen.

​Seit wann bist du Hundternehmerin (also Selbständig mit Hund, auch vorherige Hundternehmen)?

​Seit 2014. Ich betreibe allerdings nicht nur den E-Shop, sondern bin auch nach wie vor Journalistin und Autorin. Die Schreibtätigkeit nimmt zurzeit auch deutlich mehr Platz in meinem Leben ein als das Nähen.

​Welche deiner Talente und Leidenschaften kannst du in deinem Hundternehmen ausleben? 

​Ganz klar mein Schreibtalent: Im Dezember 2017 ist mein Buch über nachhaltiges Hundeleben erschienen: „Grüner Hund“ (*Werbung)​. Ich schreibe auch regelmäßig für Urban Dog. Mittlerweile bin ich zu der Erkenntnis gekommen, dass das Schreiben mich viel mehr erfüllt als das Nähen. Ein Buch mit grünen Tipps kann auch viel mehr bewirken als eine ökologisch hergestellte Hundedecke. Meine große Leidenschaft für Umwelt- und Tierschutz kommt aber auch gut in meinem E-Shop zur Geltung: Mit konsequent nachhaltiger Produktpalette gebe ich auch ein Statement ab.

​Wie bereichert dein Hund deinen Alltag bzw. welche Rolle spielt er in deinem Hundternehmen? 

​Ich habe zwei Hündinnen, die mich jeden Tag zum Lachen und Nachdenken bringen: Sie sind meine Produkttesterinnen, meine Models, die Quelle der Inspirationen für meinen Blog und auch der Grund, warum ich mich für den Tierschutz einsetze. Ich bin überglücklich, dass ich von Zuhause arbeiten darf und sie einfach immer um mich herum sind.

​Welche persönlichen Werte und Philosophien lebst du in deinem Hundternehmen aus?

​An erster Stelle ist für mich die Nachhaltigkeit wichtig: Mein E-Shop bietet nur ökologische Produkte, ich verwende ausschließlich gebrauchte Verpackung, die ich bei einem kleinen Bio-Laden im Kiez beziehe. Meine Werbematerialien sind aus Altpapier und plastikfrei hergestellt, ich fahre die Pakete jeden Tag mit dem Fahrrad zur Post. An meinem letzten Buch habe ich über ein Jahr gearbeitet und mir extrem viel Mühe gegeben, die Menschen mit grünen Ideen anzustecken, ohne zu missionieren.

Nicht wegzudenken ist für mich auch der Tierschutz: Meine beiden Mädels sind Tierheimhunde, ich spende regelmäßig Geld und Sachen an den Tierschutz. Wann immer ich kann, versuche ich den Gedanken „Adoptieren statt kaufen“ zu verbreiten. Ich bin auch eine entschiedene Zuchtgegnerin. Ich finde es nur noch pervers und herzlos, neue Hunde zu produzieren, wenn so viele hinter Gittern ausharren. Das Thema möchte ich hier auch nicht vertiefen, weil mein Puls jetzt schon rast.

​Was lieben deine Kunden an dir? 

​Ein Feedback bekommt man leider viel zu selten, nur etwa 10 – 20 % der Kunden melden sich mit einer Bewertung zurück. Die, die das tun, loben den persönlichen Service, schnelle Abwicklung, umweltfreundliche Verpackung und die Möglichkeit, Sonderwünsche erfüllt zu bekommen.

​Wie sieht ein typischer Arbeitstag bei dir aus?

​Pakete packen und zur Post fahren. Viel Schreiben. Den E-Shop aktualisieren. Mit Facebook ärgern. Auf Instagram Zeit verplempern. Ab und zu nähen. Und dazwischen immer wieder mit den Hunden schmusen und spazieren gehen.

​Welche Aspekte des Hundternehmer-Seins stellen dich beruflich oder privat vor Herausforderungen? 

​Erstens: Der Hang zur Originalität
Ich liebe Individualität und hasse Mainstream. All die automatischen Lösungen sind mir zuwider, unpersönlich, auf Kommerz getrimmt. Ich mache mir viel zu viel Aufwand mit verschiedenen Tätigkeiten, wie Pakete mit persönlichen Nachrichten, individuelle Produktbeschreibung mit eigenen Fotos, Maßarbeit beim Nähen. Sich abseits der Uniformität zu bewegen, macht zwar sehr viel Spaß, ist aber nicht wirtschaftlich.

Zweitens: Der Anspruch, nachhaltig zu handeln
Es ist viel aufwändiger und zeitreibender, alles im Sinne der Natur zu machen. Während ich mich bei Wind und Wetter mit den Paketen auf dem Fahrrad abstrampele, hat der Wettbewerb längst den täglichen DHL-Abholdienst mit ihren Dieselfahrzeugen beauftragt. Während ich stundenlang nach zertifizierten Bio-Stoffen oder Bio-Wolle suche, gehen Millionen von konventionell hergestellten Accessoires über die Ladentheke.

Drittens: Die Abhängigkeit von Global Player
Ich lehne Amazon und Google-Ads konsequent ab, dabei sind das eben die zwei schnellsten Wege, effizient ein größeres Publikum zu erreichen. Während andere mit ihrer Präsenz bei den Riesen an mir vorbeiziehen, beiße ich die Zähne zusammen und bleibe standhaft, auch wenn es verdammt weh tut.

Viertens: Zu hohe Erwartungen an die Kundschaft
Ich investiere enorm viel Energie in meinen E-Shop und möchte damit ein Zeichen setzen: für die Umwelt und den Tierschutz, gegen die Ausbeutung und den sinnlosen Konsum. Das Gros der Kunden ist aber nur preisgetrieben und nimmt meine Bemühungen weder wahr noch honoriert sie. Was mich aber am meisten ärgert und maßlos enttäuscht, sind Kunden, die bestellen, aber nicht zahlen. Die Abzockermentalität trifft mich jedes Mal bis ins Mark.  

​Bist du entscheidungsfreudig oder zögerst du eher und denkst lieber alles noch einmal durch? 

​Total spontan. Manchmal ein Hitzkopf pur.

​Welche Hundternehmens-Bereiche möchtest du ausbauen und optimieren?

​Ich würde gerne meine Social-Media-Aktivitäten in gute Hände abgeben. Gerade Facebook geht mir mit seiner Reichweitenbegrenzung und der Nötigung, Anzeigen zu schalten, extrem auf die Nerven.

Und ich würde sehr gerne mein Sortiment um viel mehr neue grüne Marken erweitern.

​Bist du schon mal mit einem Plan gescheitert? Wie bist du damit umgegangen? 

​Mehrmals. Das gehört dazu. Bei mir dauert die Enttäuschung, das Zweifeln oder gar die Schockstarre nicht länger als einen Tag an. Ich bin ein Stehauffrauchen.

Foto: Anke Peters, www.fotografie-ankepeters.de

​Hast du dich schon mal gefragt, warum du das alles machst? Hast du schon einmal gezweifelt? 

​Auch mehrmals. Bis zum nächsten Anflug von Begeisterung und Engagement. Ich bin kein konstanter, ruhiger Mensch – ich erlebe mehrmals pro Woche extreme Amplituden, von schwach bis übermächtig, von verzweifelt bis siegessicher, von schwermütig bis beflügelt. Das ist ein Vor- und Nachteil zugleich.

​Wer gehört zu deinem persönlichen Hundternehmer-Rudel und was bedeuten sie für dich? 

​Meine Schwester Katharina, meine beste Freundin und Virtuosin der Strick- und Häkelnadel.

Mein Partner Matthias, der Fels in der Brandung.

Meine beiden Hündinen, Shila und Fasa, die tägliche Quelle von positiver Energie.

​Was gibt es aktuell Aufregendes zu berichten? 

​Mein aktuelles Buch „Grüner Hund“ ​ist für mich immer noch sehr aufregend. Ich hoffe sehr, auch für viele andere.

P.S.: Beim Lieblingsrudel könnt ihr mehr über das Buch erfahren und mit ein bißchen Glück auch eins von drei Exemplaren gewinnen. Hier geht´s zum Artikel...

Außerdem gibt es dieses Jahr einen nachhaltigen Hundekalender auf der Website mit wertvollen Informationen und unterschiedlichen Schwerpunkten jeden Monat. Wer sich für den Newsletter anmeldet, bekommt zusätzlich eine Checkliste mit grünen Tipps oder eine Übersicht über Schadstoffe im Spielzeug, Shampoos und Co. Mit einem Klick auf das Bild kommst du zum Kalender. 

​Wer sich zum Newsletter anmeldet, bekommt jeden Monat tolle Tipps für ein nachhaltiges Hundeleben.

​Was sind deine Ziele für 2018?

​Erstens: Mehr Fokus. Ich will mich aufs Schreiben und den E-Shop konzentrieren. Nähen werde ich weitestgehend aufgeben.

Zweitens: Im Spätsommer ziehen wir auf einen Bauernhof bei Berlin und ich hoffe, mindestens einen Hund mehr aufnehmen zu können.

Wenn du mehr über Kinga und ihre Arbeit erfahren möchtest, dann schau doch mal hier vorbei:

Kinga bei Urban Dog
Unique Dog bei Facebook
Unique Dog bei Instagram
Der E-Shop von Unique Dog
Hier gibt es das Buch "Grüner Hund" zu kaufen

Die Fotos mit Kinga und Hund - inkl. Titelfoto - stammen von der wundervollen Anke Peters (www.fotografie-ankepeters.de). ​


​Hat dir dieser Beitrag gefallen? Dann teile ihn mit befreundeten Hundternehmern und folge uns bei Facebook und Instagram. Wenn du ab sofort keinen Beitrag mehr verpassen möchtest, dann melde dich gleich noch für unseren Newsletter an. Und wenn du Fragen  oder Anregungen zu dem Thema hast oder uns einfach nur von deinem Hundternehmen erzählen möchtest, dann kommentiere unter dem Beitrag oder schicke uns eine Mail. Wir freuen uns über jede Nachricht!

Folge uns
Click Here to Leave a Comment Below
Ines Reply

An der Suche nach einer ordentlichen Liegedecke bin ich auch verzweifelt. Ich wollte keinen Polymist für den Hund. Ich hatte lange Zeit Lamfelldecken als Sofadecken für mich. Die hat jetzt der Hund geviertelt als Liegedecken und liebt sie.

Leave a Comment:

This website stores some user agent data. These data are used to provide a more personalized experience and to track your whereabouts around our website in compliance with the European General Data Protection Regulation. If you decide to opt-out of any future tracking, a cookie will be set up in your browser to remember this choice for one year. I Agree, Deny
570